Bettina Exß

Bettina Exß

 
 
 
 
 
 

Die neunzehnte Woche - Laufen und krank sein in Dresden

Nach einem letzten Lauf am Dienstag in der Heimat fahren wir zu den Schwiegereltern nach Dresden. Mit im Gepäck: zwei Paar Laufschuhe, der Trainingsplan und mehre Garnituren Sportklamotten. Und ich ziehe es durch: wenige Minuten nach unserer Ankunft schnüre ich mir die Laufschuhe und verabschiede mich in die Dresdner Heide. Meine Familie nimmt's gelassen. Außerdem hat Oma ja ihre Enkelchen, da kann Mama ruhig mal fehlen.

An das hügelige Terrain der Heide muss ich mich erst mal gewöhnen aber ich erinnere mich bald, wie sehr ich dieses Trainingsgebiet doch liebe. Das ist ganz was Anderes, als in Karlsruhe durch den topfebenen Hardtwald zu rennen. Von Klotzsche aus kommend, laufe ich gern an der Prießnitz entlang und biege dann je nach geforderter Trainingsstrecke in einen der reichhaltigen sehr gut beschilderten Wanderwege ein. Leider sagt mir das zum Abend des ersten Tages beginnende Kratzen im Hals, dass mir die klimatisierte Autofahrt nicht gut getan hat. Am Donnerstag Morgen laufe ich zwar noch ein Stündchen im Tempo 5'50" aber der lange Lauf am Samstag soll nicht gelingen, obwohl ich gleich Freitag Vitamin C und Zink besorge und in rauen Mengen einnehme. Zwar sind es nur zwei Kilometer zuwenig, die ich in mein Trainingstagebuch eintrage aber es ist das Gefühl, das mich nicht trügt: Erneut komme ich nicht um einen Infekt herum. Den regenerativen Lauf am Sonntag lasse ich aus Vernunftgründen aus und es kommt mir vor, als verlöre ich an diesem Tag ein Kilo Gewicht - aus der Nase...

Mit 6,9 km Soll gehe ich aus der Woche.

Die zwanzigste Woche - Ein Balanceakt zwischen Erholung und Trainingsplan

Aufgrund eines "runden Geburtstags" der Ur-Oma meiner Kinder und dem unfreiwilligen Ruhetag am Sonntag entscheide ich mich, den Trainingsplan in der Form zu modifizieren, als dass ich alle Läufe um einen Tag nach vorne schiebe. Das Ganze wird mit Terminen des Dresden-Besuch-Rahmenprogramms optimal ausgeschmückt. Am Montag und am Dienstag laufe ich vorsichtshalber deutlich langsamer als sonst, nämlich 10 km im Schnitt von 6'26" bzw. knapp 16 km im Schnitt von 6'00". Dann merke ich, wie die Form zurückkehrt. Am Mittwoch läuft's noch ein Bissel besser (und schneller) und damit gehe ich unbesorgt in den langen Lauf am Samstag. Das einzige Problem stellt die Verpflegung dar: während ich bei den langen Einheiten mit der Gruppe von mein-erster-marathon.de immer schön Apfelschorle ausgeschenkt bekam, muss ich jetzt alles, was ich brauche, selbst mitschleppen. Ich entscheide mich daher, die Laufstrecke in zwei Schleifen zu teilen, auf deren gemeinsamen Wegstück ich eine Flasche Wasser im Wald verstecke. Es ist erstaunlich, welche Erleichterung es darstellt, nach 3 km diese Wasserflasche endlich abstellen zu dürfen. Während der ersten Dreiviertelstunde schüttet es mal wieder aber ich finde meinen Trott und ignoriere den Regen - er macht das schließlich auch mit mir. Nach den ersten absolut konstant gelaufenen 12 km mache ich die erste Trinkpause und nehme die Flasche wieder etwa drei Kilometer mit, um sie erneut in der Nähe eines vom Blitz getroffenen Baums zu verstecken. Ein paar Minuten später begegnet mir eine Familie mit zwei im Gebüsch rumrennenden Kindern und ich bezweifle, ob das ein schlaues Versteck war. Aber egal, es ist ja nicht so heiß. Ich komme auch ohne Wasser nach Hause. Auch die zweite Schleife läuft richtig gut. Nach den nächsten 13 km komme ich an den zerfetzten Baum zurück - und suche meine Wasserflasche. Sie ist nicht da. Ich ärgere mich - über mein dämliches Versteck, die Kinder, die die Flasche genommen haben, obwohl die Eltern bestimmt verboten haben, daraus zu trinken und sie nun vermutlich irgendwoanders hingelegt hatten. Aber was soll's? Ändern kann ich es nicht, also weiter im Schritt.

Keine drei Minuten später komme ich zu einem vom Blitz getroffenen Baum und da dämmert mir was: so unwahrscheinlich das klingt, gibt es auf 500m zwei kaputte Bäume, die beide in einer Kurve an der Prießnitz stehen. Damit kann ja nun wirklich keiner rechnen! Und wer wartet ganz in der Nähe? Richtig: meine Wasserflasche! Na, da freue ich mich dann aber doch!

Die letzten zwei Kilometer nach Klotzsche rauf spüre ich aber schon in den Beinen und die versauen mir auch ganz schön den Schnitt. Trotzdem bin ich glücklich, ganz alleine 31,5 km im Schnitt von 6'08" gelaufen zu sein. Und erstmals ahne ich: ich kann auch noch weiter laufen!

Die einundzwanzigste Woche - "All you can eat" für Schnaken in Neureut

Jetzt dauert's nicht mehr lange bis zum Marathon!

Da die KiTa noch Ferien hat aber Jan wieder arbeitet, muss ich in dieser Woche alle Trainingseinheiten in die Abendstunden verlegen. Am Montag und am Dienstag laufe ich jeweils 10 km im Schnitt von 5'54" und am Mittwoch kämpfe ich auf der schnellen Einheit mit der Gruppe, packe es aber doch und bin stolz, mit Gruppe eins das Tempo 5'20" durchgehalten zu haben. Das Renntempo beim Marathon wird mit 5'40" deutlich ruhiger sein und ich werde (hoffentlich!) ausgeschlafen sein. Dat wird schon! Kirsten sieht das ähnlich. Wir beschließen, beim Marathon gemeinsam die Verfolgung des Ballons des Zugläufers aufzunehmen.

Am Samstag steht der letzte gemeinsame lange Lauf an. Der Himmel ist bedeckt, das Wetter optimal zum Laufen - und für Schnaken, von denen es in den Rheinauen nur so wimmelt. Ich gestehe, dass ich kurz vor'm Durchdrehen war. Besonders auf den schmalen Wegen, auf welchen wir im nur im Gänsemarsch vorwärtskommen, stehen ganze Schwärme dieser Viecher in der Luft. Idylle hin oder her, bei den Bedingungen renne ich lieber auf heißem Asphalt. Eigentlich habe ich gar kein Bedürfnis, eine Trinkpause einzulegen. Ich frage Gerd, der die Schorle ausschenkt, erst mal ganz frech, wo denn das Autan stünde, doch der könnte es selbst wohl am besten brauchen. Immerhin steht er auf dem Rheindamm, bis die letzte Gruppe vorbeigekommen sein wird. Claus fantasiert bereits von einem Autan-Tauchbad, durch das wir beim nächsten Mal einfach gruppenweise durchschwimmen.

Aber alles hat ja bekanntermaßen sein Ende, auch diese 21 km und unfassbarer Weise habe ich nur einen einzigen Mückenstich abbekommen.

Normalerweise hätte ich gleich am nächsten Tag eine schnelle Einheit draufpacken sollen aber irgendwie passt uns das nicht ins Familienkonzept. Und da am Montag die KiTa wieder aufmacht, schiebe diesen Lauf guten Gewissens einen Tag nach hinten und gehe daher mit 7 km Soll aus der Woche.

Die zweiundzwanzigste Woche - am Sonntag ist es soweit!

Jetzt lautet mein oberstes Ziel: bloß nicht mehr krank werden!

Aber der Trainingsplan verlangt dennoch nach weiterem Einsatz, also begebe ich mich am Montag, gleich nachdem ich die Kids in der KiTa untergebracht habe, auf die Piste zur schnellen Einheit. So richtig gern laufe ich ja nicht wirklich schnell, vor allem nicht allein. Damit ich das Tempo sinnvoll wähle und halte, ist es daher für mich vorteilhaft, auf eine kilometrierte Strecke zu gehen. So renne ich durch den Hardtwald, und halte tatsächlich nach dem Einlaufen einen Schnitt von 5'20".

Am Dienstag erwache ich bereits mit der ersten Trainingsmüdigkeit und zu allem Überfluss stehen auch noch anderthalb Stunden an. Ich gehe auf die Marathonstrecke, die inzwischen schon mit Kilometerschildern versehen ist und auf der es von Läufern wimmelt. Im Gegensatz zu mir scheinen all diese anderen hochmotiviert und deutlich fitter um die Beine als ich zu sein aber ich lasse mir meinen Schnitt nicht verderben. Immerhin bin ich gestern so gewetzt.

Am Mittwoch findet das letzte gemeinsame Training vor dem Badenmarathon statt. Die Stimmung meiner Laufpartner ist freudig angespannt, noch kämpft keiner mit Nervosität. Kirsten und ich schließen uns Achim mit Gruppe eins an. Achim fragt unterwegs, wer schon weiß, wie er/sie den Marathon angehen wird. Tatsächlich sind einige dabei, die wie Kirsten und ich auf den Zugläufer vertrauen wollen. Nach knapp vierzig Minuten meint Achim mit Hinweis auf die Zwischenzeit von 5'35", dass wir nun knapp schneller als unser geplantes Renntempo seien. Kirsten und ich tauschen vielsagende Blicke aus - das hatten wir befürchtet. Fazit ist: den Marathon in vier Stunden zu laufen, wird hart - aber machbar. Wir werden gut gegessen haben, wir werden (hoffentlich!) ausgeschlafen sein und wir werden besonders auf den ersten fünfzehn Kilometern immer hinter dem Zugläufer bleiben. Die Erfahrung, wie sich 30 km im Alleingang anfühlen, ehe man wieder von der Gruppe geschluckt wird, mit der man gestartet ist, habe ich vor drei Jahren ja bereits schmerzlich gemacht.

Im Anschluss an diesen Lauf gibt es noch einen letzten Themenabend unter der Überschrift Der Countdown läuft mit Informationen zur Einteilung des Laufs, Treffpunkten, Trink-/Schlaf- und Ernährungsempfehlungen und vielem mehr.

Einen Tag später gehe ich noch mal 45 Minuten auf die Marathonstrecke aber ich bin froh, als ich mit dem Training fertig bin. Inzwischen habe ich keinen Bock mehr! Freitag und Samstag die Füße still zu halten, wird mir gewiss nicht schwerfallen...