Die fünfte Woche - Da war er wieder, der grippale Infekt
Auf Sonnenschein folgt Regen oder so ähnlich. Nach einem angenehmen langsamen Lauf haut es mich erneut aus den Laufschuhen - und nicht nur aus denen: ganze vier Tage liege ich mit einem grippalen Infekt flach. Zwei dieser Tage verbringe ich komplett im Bett mit Ausnahme von der Zubereitung des Frühstücks für Marla und des Anziehens von Gregor.
Nach diesen vier Tagen versuche ich am Sonntag noch ein paar Kilometer zu retten und laufe zum Pfinz-Entlastungskanal. Ganze 17 km laufe ich zusammen, freue mich aber schon, als endlich die Wohnung wieder vor mir auftaucht. Auch mit Tempo (6'24") und Puls (150) bin ich hochzufrieden.
Mit 14,5 km Soll beende ich die Woche.
Die sechste Woche - Freischwimmen in Lauterbourg
Kilometerschrubben ist angesagt. Kurzerhand lege ich nach meinem langen Lauf noch mal in brutaler Hitze 10,5 km nach, diesmal aber langsamer, und gönne mir einen Ruhetag vor der geführten Einheit.
Wir beginnen wieder mit Krafttraining und dieses besonders hart mit Lauf-ABC. Die Europahalle strahlt das Klima eines Gärofens aus. Frank scheint das wenig zu beeindrucken und scheucht uns bis zum Ende meiner Kräfte. Tropfend lege ich mich zu Gabi auf die Turnmatte. Wenigstens geht's ihr genauso. Unter normalen Umständen würde man sich nach sowas nachhause tragen lassen aber wir sollen jetzt noch mal auf die Piste. Da ich ohnehin schon im eigenen Saft stehe und am Samstag ein Wettkampf über 10 km ansteht, schließe ich mich den 5'55"-ern an. Es ist unglaublich schwül und erst ab dem zweiten Drittel der Strecke wird dieser Lauf erträglich. Kaum sind wir wieder an der Europahalle angelangt, fängt es an zu schütten wie aus Eimern.
Der anschließende Muskelkater hält leider bis zum Samstag an. Ebenso wie das Wetter: tagsüber schwülheiß und abends Gewittergefahr. Gut dass wir abends laufen wollen. Mürrisch mustere ich die Wolken. Lieber schwül als nass. Mit dieser Meinung stehe ich weitgehend alleine da und daher wenig später auch alleine unter dem Schirm.
Dicke Tropfen klopfen mir schon am Start auf die Schultern. Ich male mir aus, wie es sein wird, erneut krank zu werden. Natürlich gehe ich den ersten Kilometer viel zu schnell an, weil ich versuche Kirsten zu folgen. Eigentlich wollten wir zusammen laufen. Erst auf dem letzten Kilometer wird mir klar werden, dass es nicht Kirsten war, die mir davonpreschte aber ab 40 l/m² wird die Sicht halt auch undeutlich. Nach zwei Kilometern schwimme ich in meinen Schuhen. Eigentlich hab ich keinen Bock mehr aber es hilft ja nix. Dummerweise bietet die kreuz und quer immer wieder durch die Stadt geführte Strecke genug Stellen an, die sich wunderbar zum Aufgeben eignen würden. Aber dafür haben wir ja kein Startgeld bezahlt. Nach km 5 treffe ich Fritz und hänge mich an ihn dran. Fast vier Kilometer laufen wir einträchtig und reden sogar ein paar Worte, doch auf der letzten Steigung schüttelt er mich ab und ich ahne, dass ich nicht die Kraft habe, ihn wieder einzuholen und an ihm dranzubleiben.
Auf dem letzten Kilometer taucht Kirsten von hinten auf und hat noch genug Kraft, sich lautstark über meinen Blitzstart zu beschweren. Jetzt hänge ich mich hinten dran. Zu fünft laufen wir ins Ziel. Mein Fazit: doll war's nicht gerade aber immerhin bin ich unter 55 Minuten geblieben: 54'14". Das war das Ziel. Jetzt einfach locker bleiben, es gibt noch genug Training, um schneller zu werden.
Die siebte Woche - Langsam werden die Läufe länger
Den langsamen Lauf nach dem Wettkampf schob ich familienaktionsbedingt auf den Pfingstmontag (und zwar auf das trockene Laufband des Fitness-Studios) und kam damit in dieser Woche auf die sagenhafte Laufleistung von 54 km!
Am Dienstag rannte ich im Regen an der Alb entlang und musste feststellen, dass 10 km im Regen doch schneller rumgehen als 8 km auf dem Laufband.
Das gemeinsame Training war wieder scheinbar anstrengender als allein zu laufen; allerdings hatte ich am Mittwoch den Fehler gemacht, nicht ausreichend getrunken zu haben. Ich hoffte ständig, dass wir bald da seien und war froh, dass es Jasmine ähnlich ging und wir beide einfach einen Schritt rausnehmen konnten. Trotzdem kamen wir auf einen Schnitt von 6'00" und mein Puls lag gerade mal bei 141 Schlägen, also offentlichsichtlich war an diesem Tag der Körper fitter als der Kopf.
Nach zwei Ruhetagen am Stück (wobei mir am zweiten tatsächlich irgendwas fehlte) ging es zum ersten langen Lauf nach Ettlingen auf den Saumweg. Mit der 6'10"er Gruppe lief ich in gut 110 Minuten 18 km. Zum Schluss hatte ich zwar auch keine Lust mehr, noch weiter zu laufen aber während des Laufs ging's mir trotz Steigungen prima.
Mit einem regenerativen Lauf auf dem Laufband und Krafttraining ließ ich dann die Woche ausklingen.
Nächste Woche gehen wir's wieder ruhiger an.
Die achte Woche - Training locker, Freizeit hart
Nach zwei Tainingstagen von je 10-12 km war der gemeinsame Lauf am Samstag mit 15 km keine besondere Herausforderung. In der Tat überlegte ich, schon von zuhause loszulaufen, was allerdings mehr als 6 km zusätzlich bedeutet hätte. Auch unter der Wärme und dem Sonnenschein schien ich beim Laufen nicht zu schwächeln. Das holte ich dann nachmittags beim Besuch des Museumsfests nach. Am Abend war mir speiübel und auch am Sonntag war mir noch flau, so dass ich die regenerative Einheit weglassen musste und tatsächlich mit knapp 3 km zuwenig aus der Woche ging.
Die neunte Woche - Mein Magen wird doch nicht verzagen?
Dieses ständige Herumlaborieren an undefinierbaren Zipperleins geht mir langsam auf die Nerven. Noch war mein Magen zwar nicht vollständig im Lot am Montag aber ich wollte ja auch nicht Schweinshaxe essen sondern laufen gehen. Und weil ich so (pflicht-)besessen bin, wurden aus 8 km gleich 15,5 km.
Okay, es war nicht schlau... Erst lief's zwar hervorragend aber nach neun Kilometern setzte mir die Schwüle dann schon zu. Aber es hilft ja nix, Stehenbleiben bringt mich da auch nicht weiter. So wurden die letzten Kilometer nur durch die Aussicht auf 1,5 l aromatisiertes Wasser überstanden. Interessanterweise juckten die meinen Magen dann auch nicht weiter.
Nach einem Ruhetag standen zwei Einheiten mit jeweils etwa 10 km auf dem Plan, die ich ohne Rücksicht auf die Wettersituation prima meisterte. Für "mittleren Dauerlauf" sortiere ich mich inzwischen in die Gruppe 6'00" ein. Wenn Sie der Meinung sind, Sie könnten auch rostige Nägel und Schuhsohlen verdauen, empfehle ich Ihnen folgendes Experiment: am Nachmittag eines schlampig hydrierten Tages trinken Sie einen Liter Sprudelwasser mit Waldmeistergrundstoff. Ja, es schmeckt mir auch nicht aber die kulinarischen Fehlkäufe meiner Familie bade ich im Hinblick auf den großen Teil der Not leidenden der Weltbevölkerung lieber selber aus, statt den Kram einfach wegzuwerfen. Nach einem kurzen Schütteln begibt man sich nun spät dran direkt zum Start des Lauftrainings, ohne vorher über die Europahalle zum Krafttraining gegangen zu sein. Man laufe im Tempo 6'00" und warte, was passiert. Bei mir war es folgendes: es rumpelte im Bauch und ich hoffte schwer, dass ich mich nicht übergeben müsste, was ich zum Glück auch nicht tat. Aber die Brühe bahnte sich ihren Gang durch meine Eingeweide und ab Kilometer sechs ahnte ich, dass mich eine Toilette heute noch sehr froh machen würde. Ich rechnete mir aus, dass es noch knapp 25 Minuten dauern würde und versuchte möglichst erschütterungsfrei zu laufen. Inzwischen quälten mich Bauchkrämpfe und ich kniff im wahrsten Sinne des Wortes den Hintern zusammen. Vier Kilometer können ganz schön lang sein. Aber wer kann sich das Gefühl vorstellen, wenn dann auf der Damentoilette eine Kabine frei ist und es dort auch noch Papier ohne Ende gibt? Ich sag nur Waldmeister! Das Stretching war längst vorbei, als ich aus den Tiefen der Europahalle wieder ans Tageslicht kam. Aber ich war gewiss mindestens so entspannt, wie all' die, die sich brav gedehnt hatten!
Am Samstag wurde es mal wieder nass. Von zwei Stunden mittleren Dauerlaufs absolvierten wir die ersten 55 Minuten trocken, als plötzlich und leider auch heftig Regen einsetzte. Es schüttete aus vollen Kübeln und nach dem Austreten an der Getränkestelle konnte ich mit Fug und Recht behaupten, bis auf die Unterhose nass zu sein. Wohl denen, die ihren Regensensor abschalten können! Ich habe vermutlich schon mal erwähnt, dass ich persönlich nicht so auf Regen stehe. Sei's drum: in 2:08' rannten wir 20,3 km, was einen Schnitt von 6'15" bedeutet. Da ich das ziemlich locker gemacht habe und mich dann noch heldenhaft auf das arme, nass geregnete Fahrrad setzte, kann ich doch echt stolz sein!
Am sonnigen Sonntag versackten wir mit den Nachbarn an der Alb. Plötzlich aufwachende hungrige Kinder nötigten uns zu einem Boxenstopp im Biergarten. Den anschließenden Gang auf den Spielplatz konnten wir dann nur noch mit Eis und Kuchen im Garten neutralisieren. Um's kurz zu machen: laufen war an diesem Tag einfach nicht angesagt.